„Aus gutem Impfstoff wird schlechter Impfstoff gemacht.“

„Aus gutem Impfstoff wird schlechter Impfstoff gemacht.“

Impf-Helfer Dennis Oertwig erlebt hautnah, wie die Menschen die Corona-Impfungen vertragen. Im Interview vertritt er eine klare Meinung zum Impfen.

Von Montag bis Freitag dreht sich bei Dennis Oertwig, Leiter des Wahlleistungsmanagements, alles darum, unseren Patient*innen den bestmöglichen Komfort zu bieten und deren Aufenthalt in der Klinik so angenehm wie möglich zu gestalten. Am Wochenende engagiert sich Herr Oertwig im sozialen Bereich. Und das hat nichts mit Komfort zu tun.
 

Zehner: Herr Oertwig, Sie arbeiten für das Impfzentrum Hamburg. Wie kam es dazu?
Oertwig: Als ich im Dezember davon hörte, dass medizinisches Personal für das Impfzentrum in Hamburg gesucht wird, war für mich sofort klar, dass ich dort unterstützen möchte. Ich bat Herrn Hippler und Herrn Kretschmer, mir die Möglichkeit zu geben, im Rahmen einer Nebentätigkeit und unter Berücksichtigung meiner Aufgaben bei der MEDICLIN, im Impfzentrum tätig werden zu dürfen. Ich bin beiden sehr dankbar, dass sie dies schnell und unkompliziert befürworteten und unterstützten.
 
Zehner: Sie sind also Mediziner?
Oertwig: Ich bin gelernter Krankenpfleger. Diesen Beruf übe ich zwar nicht bei MEDICLIN aus, aber immer noch an Wochenenden in einem Arztmobil. Wir fahren an verschiedene Brennpunkte in Hamburg und versorgen dort Obdachlose ohne Krankenversicherung und die, die ärztliche Hilfe brauchen. Meine Arbeit bei MEDICLIN und die Tätigkeit in der fahrenden Arztpraxis helfen mir wertzuschätzen, was wir unseren Patient*innen bieten.
 
Zehner: Wie sieht Ihre Arbeit als Impf-Helfer aus?
Oertwig: Ein bis zwei Wochenenden im Monat verbringe ich damit, Menschen gegen Corona zu impfen. Der Einsatz erfolgt entweder im Impfzentrum in den Hamburger Messehallen oder in einem der mobilen Teams. In diesen impfen wir die Bewohner*innen in Alten- und Pflegeeinrichtungen und deren Mitarbeitenden.
Der Ablauf ähnelt sich: Ein Team bereitet sechs bis zwölf Impfspritzen vor, fährt diese vorsichtig zum Einsatzort und bringt sie zur Impfkabine oder in die Zimmer der Bewohner*innen. Dort erfolgt eine ausführliche Aufklärung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Wenn die zu impfende Person einverstanden ist, führe ich die Impfung durch und überwache sie 15‒30 Minuten in einem Ruheraum.

Zehner: Bekommen Sie in diesem Zeitraum auch Nebenwirkungen mit?
Oertwig: Ich habe bis jetzt noch keine Nebenwirkungen direkt nach der Impfung erlebt. Wir haben aber das entsprechende Personal und Equipment vor Ort, um gegebenenfalls in bedrohlichen Situationen reagieren zu können.
Das, was in den Medien oft als Nebenwirkungen nach dem Impfen beschrieben wird, ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf die Impfung. Das Immunsystem lernt den angreifenden Virus kennen und setzt sich zur Wehr, sodass sich die Krankheit im Körper nicht auslöst. Es sind nur Reaktionen vom Körper auf die ihm unbekannte Virus-Attrappe.
 
Zehner: Was genau ist dann eine Nebenwirkung?
Oertwig: Eine allergische Reaktion – eine nicht gewollte Reaktion. Wenn jemand tatsächlich die Substanz oder den Impfstoff nicht verträgt.
 
Zehner: Sie impfen auch den AstraZeneca-Impfstoff, an dem es derzeit starke Zweifel gibt. Welche Erfahrungen machen Sie?
Oertwig: Meiner Meinung nach wird er ungerechtfertigt schlecht geredet. Selbst wenn ich eine Impfreaktion in den ersten Tagen im Sinne von Erkältungssymptomen habe, ist es meiner Meinung nach immer noch besser, als drei Wochen an der Beatmungsmaschine zu hängen und eventuell unter Folgeschäden von Corona zu leiden. Eindeutige Studienverläufe zeigen: AstraZeneca schützt vor einer Corona-Infektion und schweren Verläufen. Ich will Erkältungssymptome nicht klein reden, sehe es aber im Verhältnis. Ich würde eher Erkältungssymptome in Kauf nehmen als mich gegen einen langfristigen Schutz vor einer schweren Corona-Erkrankung zu wehren. Mein Eindruck: Aus gutem Impfstoff wird schlechter Impfstoff gemacht.
 
Zehner: Welche Erfahrungen machen Sie mit den Impfstoffen von BioNTech und Moderna?
Oertwig: Wir spritzen bislang nur AstraZeneca und BioNTech in Hamburg und warten auf Moderna. Diese Woche soll er geliefert werden – sobald er da ist, starten wir.
Bei BioNTech wird die erste Impfung in der Regel besser vertragen – die Erkältungssymptome treten meist erst nach der zweiten Impfung, nach 10‒24 Stunden, auf ‒ und das auch eher bei jüngeren Menschen.
 
Zehner: Wie erleben Sie das Impfen?
Oertwig: Das Arbeiten selbst findet immer in sehr guter Atmosphäre statt. Die Menschen, die geimpft werden, befinden sich in keiner medizinischen Notsituation, sondern freuen sich darauf, geschützt zu werden. Alle kommen freiwillig und die Mitarbeitenden sind über alle Berufsgruppen hinweg engagiert und motiviert.
Ich bin überzeugt, dass nur die Impfungen uns gesellschaftlich wieder zurück zur Normalität bringen. Die Stimmung bei den Senioren ist dankbar: Die älteste Bewohnerin, die ich impfen durfte, war 103 Jahre alt und hatte sich den ganzen Tag auf unser Kommen gefreut. Ihr Lächeln, als wir endlich bei ihr waren, erheiterte mich noch den ganzen Tag.

Dieses Interview führte Jasmin Zehner

Redakteurin Interne Kommunikation​,

Unternehmenskommunikation