Herzstillstand rechtzeitig erkennen und reagieren

Herzstillstand rechtzeitig erkennen und reagieren

PD Dr. Jan N. Hilberath erklärt, wie Sie ggf. selbst Leben retten.

Beim EM-Spiel Dänemark gegen Finnland am 12.06., brach der dänische Nationalspieler Christian Eriksen auf dem Platz wegen eines Herzstillstandes zusammen. Wir, die Unternehmenskommunikation, fragten uns nach dem Vorfall, wie ich einen Herzstillstand erkenne, welche Erste-Hilfe-Maßnahmen ich ergreifen sollte und welche Ursachen einem Herzstillstand zugrunde liegen können. PD Dr. med. Jan N. Hilberath, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin im Herzzentrum Lahr, beantwortet unsere Fragen.


Wie kann es zu einem Herzstillstand kommen?


Kurz gesagt: Wenn der Herzmuskel zuckt oder flimmert und das Blut nicht mehr durch den Körper transportiert wird. Leider geschieht dies oft innerhalb von Sekunden und ohne Vorwarnung oder Anzeichen. Personen können sich noch 24 Stunden zuvor völlig gesund fühlen. 

Die Ursachen können etliche Erkrankungen sein. Am häufigsten sind koronare Herzkrankheiten (KHK), die durch Bluthochdruck, Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen (hohes Cholesterin) entstehen. Seltenere Ursachen für den plötzlichen Herztod sind Herzklappenerkrankungen, angeborene Herzfehler, hoher Blutdruck oder eine Herzmuskelentzündung. Auslöser für eine Herzmuskelentzündung sind Viren (auch SARS COV-2), Bakterien, Pilze, aber auch Giftstoffe wie Kokain.
Generell steigt das Risiko mit zunehmendem Alter, weil viele Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems dann häufiger auftreten. Generell sind Männer stärker als Frauen gefährdet, was hormonelle Gründe hat. 


Jetzt ist Christian Eriksen zwar ein Mann, aber junge 29 und auch ein Topathlet. Was könnte die Herzattacke ausgelöst haben?


Profi-Sportler werden regelmäßig sprichwörtlich auf Herz und Nieren geprüft. Christian Eriksen hatte demnach sicherlich schon mehrere Ultraschalluntersuchungen und EKGs in seinem Leben. Wäre es eine strukturelle Herzmuskelerkrankung gewesen, hätte man diese dabei sicherlich gesehen. Ich gehe eher davon aus, dass er z.B. eine primäre Arrhythmie hatte oder eine durch eine Herzmuskelentzündung oder eine abweichend verlaufende Koronararterie verursachte Arrhythmie.


Welche Symptome deuten auf einen Herzstillstand hin?


Folgende Warnzeichen sollten ernst genommen und von einer Kardiologin oder einem Kardiologen abgeklärt werden:

  • Brustschmerzen (Angina pectoris) und/oder Luftnot
  • Herzrasen mit Einschränkung der Belastbarkeit
  • Hartnäckiges Herzstolpern
  • Kurze Bewusstlosigkeit
  • Schwindelanfälle, drohende Ohnmacht

Ein konsequentes Vorbeugen, frühzeitige Diagnose und Therapie senken das Risiko stark.


Welche Folgen kann ein Herzstillstand haben?


Da der Herzstillstand oft sehr plötzlich und schnell geschieht, sind die Rettungsmöglichkeiten leider gering. Nur 5 bis 10 Prozent der Wiederbelebungsversuche sind erfolgreich. Das Wichtigste sind Schnelligkeit und Qualität der Einzelschritte bei der Wiederbelebung. In jeder Minute, in der die Person mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand keine Herzdruckmassage erhält, sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um 10 Prozent.


Wie leiste ich richtig Erste Hilfe bei einem Herzstillstand?

1. Situation einschätzen

Wenn Sie feststellen, dass die umgefallene Person bewusstlos ist, nicht auf Ihr lautes Ansprechen reagiert und sich der Brustkorb auch nicht auf und ab bewegt, rufen Sie sofort den Notruf 112. Holen Sie außerdem eine weitere Person aus der Nähe hinzu, die Sie unterstützt.

2. Notruf

  • Beantworten Sie folgende Fragen:
  • Wer ruft an (Name, Telefonnummer)?
  • Was ist passiert? Sie haben eine bewusstlose Person gefunden und Hinweise auf einen Herzstillstand.
  • Wo befindet sich die Person? Geben Sie die Adresse möglichst genau an.
  • Beenden Sie das Gespräch erst, wenn die Notrufzentrale keine Rückfragen mehr hat.

3.  Herzdruckmassage

  • ​Knien Sie sich an eine Seite der Person. Setzen Sie den Handballen auf die Mitte des Brustbeines und platzieren Sie die zweite Hand auf den Handrücken der ersten. Beugen Sie sich senkrecht über die Brust der Person und drücken das Brustbein mit gestreckten Armen 5 bis 6 cm in Richtung Wirbelsäule, etwa 100 bis 120 Mal pro Minute. Führen Sie die Herzdruckmassage so lange durch, bis das Rettungsteam eintrifft.
  • Zum Schutz vor einer Infektion bedecken Sie Mund und Nase des Bewusstlosen mit einem dünnen Tuch, z. B. einem Schal oder Taschentuch.
  • ​Da die Herzdruckmassage extrem anstrengend ist, wechseln Sie sich ab.

Wichtig: Die Deutsche Herzstiftung rät Laien ausdrücklich von einer Mund-zu-Mund-Beatmung ab.

4.  Schocken

Den Automatisierten Externen Defibrillator (AED) bitte nur dann anwenden, wenn mindestens zwei Helfer*innen vor Ort sind. So kann eine Person die Herzdruckmassage durchführen, während die andere den AED holt. Nachdem Sie den AED eingeschaltet haben, folgen Sie einfach den Anweisungen des Sprachcomputers.
Wichtig: Unterbrechen Sie die Druckmassage nur, wenn der Sprachcomputer Sie dazu auffordert.